Monday, June 19, 2017

Artes unprofessioneller Umgang mit einem vermeintlichen Anti-Antisemitismus-Beitrag



«Es ist schwer, jemanden dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn er dafür bezahlt wird, es nicht zu verstehen [manche tun‘s sogar umsonst -  se]Upton Sinclair


Artes unprofessioneller Umgang mit einem vermeintlichen Anti-Antisemitismus-Beitrag


Ein Weiser gerät gar nicht erst in eine Notlage, aus der sich nur ein Schlauer irgendwie herausschlängeln kann. (jiddischer Spruch)

Der TV-Sender Arte manövrierte sich in eine fast unmögliche Lage mit seinem unverständlichen Auftrag an Filmmacher, deren „anti-deutsche“
 bzw. judeophile Position bekannt ist. Ein ausgewogener und sachlicher Beitrag von diesen war deshalb kaum zu erwarten.
Dabei leiden die sehr heiklen Themen Judenhass wie auch die Berichterstattung über den Nahostkonflikt unter anderem darunter, dass allzu oft schwarzweiss gemalt und wenig fundiert informiert wird. Solche Beiträge sind kontraproduktiv.


Tatsache ist, dass es kaum eine allgemein akzeptierte Definition der Judeophobie (fälschlicherweise Antisemitismus genannt[i]) gibt, die durchwegs unabhängig von der jeweiligen politischen Haltung ist. Auch bei der Betrachtung des Israel-Palästina-Konflikts gibt es mehrere Betrachtungsweisen, so genannte Narrative. Deshalb ist es nötig, mindestens zwei entgegengesetzte fundierte Sichtweisen zu beachten. Entsprechend stellt sich die Frage, warum im Film kein einziger israelischer und palästinensischer Friedensaktivist bzw. keine kritischen Historikerinnen interviewt wurden.

Ein zentraler Punkt ist der extreme Rassismus, welcher bei beiden Konfliktparteien zu beobachten ist und in der Regel nur einseitig betrachtet wird. Im geplanten Arte-Beitrag wird nur der palästinensische und pro-palästinensische Judenhass berücksichtigt. Bei der Gegenseite wiederum wird mehrheitlich der jüdische Araberhass thematisiert, Judeophobie wird nur mit ganz wenigen Ausnahmen angesprochen.

In der Dokumentation «Auserwählt und ausgegrenzt. Der Hass auf Juden und Europa» kommt das allgemeine Phänomen zum Ausdruck, dass nur allzu oft Doku-Filme mehrheitlich zur Polemik reduzieren, anstatt dass sie darum bemüht wären, so sachlich wie möglich zu berichten.  

Auch bei vielen Kritikern dieses Films ist dasselbe Problem rasch zu erkennen: Der Spiegel bemüht sich beispielsweise, mutig zu sein, scheitert aber jeweils, wahrscheinlich aus Unkenntnis:

«Beim Grenzübergang nach Gaza können sie sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Jürgen Todenhöfer beschreibt seine beschwerliche Einreise nach Gaza durch einen Tunnel der Hamas. Wir [das Doku-Filmteam] entscheiden uns für die Tür", die allerdings ein wenig klemmt. O-Ton: "Man muss einfach drücken, glaube ichDer Spiegel, 14. Juni 2017.

Nun bin ich kein Fan von Todenhöfer, aber jeder nur halbwegs informierter Mensch weiss, dass israelische Behörden ausländischen Journalisten und Menschenrechtsaktivisten bei der Einreise nach Gaza oft Schwierigkeiten machen.

Dass das Doku-Filmteam in keiner Weise behindert wurde, überrascht angesichts seines „pro-israelischen“ propagandistischen Ansatzes gar nicht. Es gibt jedoch keinen Grund, das gravierende Problem der Einreise zu verharmlosen.

Ein weiterer Kritikpunkt an manchen Gegnern dieses Films wird in der folgenden Passage demonstriert:

«Die rote Linie des Dokumentarfilms „Auserwählt und ausgegrenzt“ wird bereits in den ersten Minuten deutlich. Zunächst zeigt man Palästinenserpräsident Mahmud Abbas [Auch Abu Mazen genannt] mit einem sorgfältig ausgewählten und inhaltlich fragwürdigen Zitat vor dem Europäischen Parlament, dann Schnitt auf die ihm zuapplaudierenden Politiker und dann folgt ein harter Schnitt auf eine Archivaufnahme des Nazi-Ideologen Julius Streicher. Die Botschaft ist klar: Zwischen den Palästinensern und den Nazis gibt es Gemeinsamkeiten und wir bejubeln den modernen Antisemiten aus dem Nahen Osten kritiklos
NachDenkSeiten 14. Juni 2017
Es gibt tatsächlich Vieles an der unprofessionellen und einseitigen Doku zu kritisieren. Das Abbas-Zitat gehört allerdings nicht dazu. Denn bei Abu Mazens Äusserung handelte sich tatsächlich um eine mindestens grobfahrlässige und unentschuldbare Behauptung, die heftig nach Rassismus stank.

Vor dem EU-Parlament sagte Abbas am 13.
Juni 2016:
«Darüber hinaus möchte ich noch sagen, dass vor nur einer Woche einige Rabbiner in Israel ihre Regierung aufgefordert haben, unser Wasser zu vergiften, um Palästinenser zu töten. Ist das nicht eine klare Anstiftung zum Massenmord am palästinensischen Volk?»

Es ist nicht so, dass es derartige Rabbiner nicht geben kann, trotzdem ist sehr viel Vorsicht bei solchen Aussagen, wie eben Abbas sie machte, absolut angebracht. Sonst entsteht zu Recht den Eindruck, dass es hier um gängige arabische Vorurteile geht.

Kurz darauf entschuldigte sich denn Abbas auch selber für seinen Affront, der als Steilvorlage für die israelische Regierung diente und die Peinlichkeit der Affäre noch betonte.

 

Bei Abu Mazen handelt es sich übrigens nicht um einen einmaligen Ausrutscher. Er lobte beispielsweise am 4. Januar 2013 in einer Rede das geistige Erbe des nazistischen Grossmuftis von Jerusalem, Hajj Muhammad Amin Al-Husseini. Abbas sagte:
«We must remember the pioneers, the Grand Mufti of Palestine, Hajj Muhammad Amin Al-Husseini, as well as Ahmad Al-Shukeiri, the founder of the PLO, …»[ii]



Leider gibt es nicht nur Rassismus auf jüdischer Seite (was die Doku völlig verschweigt), sondern auch auf arabischer. Dieser macht die Friedensfindung noch schwieriger als sie schon ist.

Die im Nachhinein begangenen Fehler zu korrigieren mit seinem mutigen Beschluss, den Film nicht auszustrahlen, ist löblich. Allerdings tat Arte dies reichlich spät.
Jetzt bleibt dem Kanal wahrscheinlich nur die Flucht nach vorn, zum Beispiel indem er einen neuen Auftrag erteilt, welcher mehr Sachlichkeit und Ausgewogenheit in diese heisse Debatte bringen kann.


[i] Der korrekte passende Begriff Judeophobie wurde von Altzionist Leo Pinsker geprägt, und es ist schleierhaft, warum sich ausgerechnet die rassistische Bezeichnung Antisemitismus des NS-Vordenkers Wilhelm Marr einbürgerte.

[ii] Dies gemäss Übersetzung des Middle East Media Research Institute (MEMRI). Da die Quelle nicht immer zuverlässig ist, wurde diese Übersetzung kontrolliert.

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